A Symptom Of Being Human

Wind extinguishes a candle and energises fire. Likewise with randomness, uncertainty, chaos: you want to use them, not hide from them.

In einem Newsletter, den ich länger schon abonniere aber nur noch selten lese, stoße ich auf das obige Zitat von Nassim Taleb. Es fügt sich in meinen Eindruck, dass Menschen im Zuge der großen Ablenkungsindustrie keine Toleranz für Unberechenbares mehr aufbringen. Selbstverständlich war das immer schon so: der Mensch ist der Willkür des Lebens ausgesetzt und versucht nun im Laufe seines Daseins alles was ihm begegnet, in kaubare Stücke zu portionieren. Nichts ist so furchterregend wie die eigene Machtlosigkeit. Er sucht nach Gesetzmäßigkeiten in willkürlichen Abläufen und überantwortet den Rest, der nicht nach begreifbaren Regeln funktioniert, einer höheren Macht. Nur so kann ein Leben mit menschlich begrenztem Fassungsvermögen im Angesicht des Unbegreiflichen funktionieren: Sinnhaftigkeit als Ruhekissen für den rastlos arbeitenden Verstand.

Unser ganzes Streben gilt also im Zuge der Eigenermächtigung dem Absichern eines Istzustandes, den wir uns mühevoll erschaffen haben. Denn dahinter vermuten wir das Glück – ein Zustand, der sich nur nie einstellen mag, weil er im Flüchtigen wohnt. Auf diese Erkenntnis folgt die Katharsis. Zurück zur Natur, zurück zum Sein als Selbstzweck. Aber bitte nicht ganz ohne die schönen Spielsachen, die den Alltag so bequem gemacht haben. Yoga ohne Matte und Fußbodenheizung? Und wie soll man von der Stadt die unberührte Natur anders erreichen als mit dem Auto? Wie viel Überwindung es kostet, einmal nichts zu tun und nur zu sein. Die Überwindung geschieht dabei im Inneren. Wenn wir warten, auf die Verabredung, die Bestellung oder die Ampelschaltung, im Stau oder der Supermarktschlange, dann werden wir von den Umständen dazu gezwungen. Dagegen rebelliert das Ego, projiziert, rationalisiert, dissoziiert und fährt als Selbstzweck noch mehr Mechanismen auf, um sich in irgendeiner Form zu ermächtigen. Zum Meditieren reservieren wir uns extra Zeit im Tagesablauf, in der wir uns bei angenehmer Raumtemperatur in bequemer Kleidung zum Loslassen disziplinieren. Dabei hätten wir diese Disziplin in den vorhergenannten Alltagssituationen viel nötiger, nämlich dann, wenn es unbequem wird. Der Großteil des Lebens besteht aus unangenehmen, unbequemen und leider viel zu oft schmerzhaften Erfahrungen. Wer es schafft, diese Zustände zu tolerieren, ist dem Glück ein ganzes Stück näher. Alltagstauglich hat das Kathryn Jezer-Morton in einem Artikel über Reibungsmaximierung so formuliert:

„Friction-maxxing is … the process of building up tolerance for ‘inconvenience’ (which is usually not inconvenience at all but just the vagaries of being a person living with other people in spaces that are impossible to completely control)

Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich auf die Sendung des SRF Der mit dem schwarzen Schwan tanzt hinweisen, in der Nassim Taleb über seine Theorie der Einbeziehung von Unwägbarkeiten in die Lebensplanung statt ihrer Eliminierung spricht. Ich finde, er vertritt seine These nachvollziehbar, obgleich er vom ungeduldigen Befrager oft ruppig dabei unterbrochen wird. Gleichmut fällt mir noch als zusammenfassender Begriff dazu ein. Eine Haltung, die es mit zunehmendem Alter anzustreben lohnt.

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