All Over the World

(Electric Light Orchestra)

Natürlich bin ich hier noch einen Bericht über das gestrige Sommerfest im Internationalen Wohnheim schuldig. Sehr erfrischend war das. Während ich der Band zuhörte, merkte ich, wie ich zu grinsen begann, lächelnd über die Menschenmenge schaute und mir schließlich mit meinem Getränk einen Platz auf einer der Bierbänke suchte. Die Anwesenden ganz gemischter Herkunft, doch überwiegend asiatischer Phänotyp. Manche sehr gut gekleidet, andere angemessen in Jeans und Shirts, viele junge Leute, dazwischen auch sehr viel ältere, wohl Anwohnende, die sich irgendwann zu den wiedererkannten Songs auf dem Raum vor der Band bewegten. Ausnahmslos alle erschienen mir deutlich gut gelaunt zu sein. Da die Getränkeauswahl aber für mich nicht sonderlich attraktiv war, ging ich nach einer Stunde zum gleichzeitig stattfindenden benachbarten Straßenfest.

Neue Bekanntschaft

Dort erwarb ich ein Getränk meiner Wahl, die Musik schien mir eindeutig besser, qualitativ hochwertiger, eine Jazzband mit Vibraphon. Das Publikum eher meine Altersgruppe, manche deutlich darüber, ebenfalls alle gut gelaunt, doch irgendwie sprang der Funke hier nicht über. So ging ich schließlich wieder zurück, denn die Richtung liegt auf meinem Heimweg. Die chinesischen Bandmitglieder hatten inzwischen ihre Sachen gepackt und die Bühne für eine örtliche Gruppe geräumt, die deutlich über dem Studierendenalter lag. In Zeiten als man noch einen Diplomabschluss erwerben konnte, hätte man sie aufgrund ihrer Erscheinung als ewige Studenten bezeichnet. Jedes System hat Vor- und Nachteile, ich konnte beiderlei Abschlüsse ausprobieren. Da ich aber schon immer der zielstrebige Typ war, fiel für mich eine streng vorgegebene Regelstudienzeit nicht in’s Gewicht.

Und dann passierte mir ein folgenschwerer Fehler. Ich schaute mich nochmals um, suchte einen Platz, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Die Luft etwas abgekühlt, benötigte ich einen Pullover. Den holte ich von daheim, doch als die Türe in’s Schloss fiel, war ich fast sicher, sie in absehbarer Zeit nicht mehr öffnen zu wollen. Die Warteschlange am Essensstand schien mir zur uneffizienten Herstellungskapazität sehr unproportional, weshalb ich etwas zu essen vorbereitete. Dann legte ich mich kurz auf mein Bett und erwachte irgendwann zu Licht und einem Teller auf der Matratze neben mir stehend. Ich war mir sicher, es sei schon morgens und stand auf, doch der Schein kam nur von einer Lichterkette. Einschlafprobleme habe ich schon mal nicht. Mein Körper deutete an, noch nicht gewillt zu sein, mich vertikal zu unterstützen. So legte ich eine weitere Traumrunde ein, eine von der Sorte luzider Träume, die das Gehirn zu unpassenden Zeiten als Spontanerinnerung präsentiert. Die Überzeugung, man sei bereits an diesem Ort gewesen, hätte genau diese Sätze gesprochen und wisse, wie es weitergehe. In die Zukunft schauen ist ein alter Wunsch, zumindest in die naheliegende, aber nicht sonderlich praktikabel. Denn wo kämen wir hin, wenn wir wüssten, wie sich die Dinge entwickeln? Die ganze Spontanität wäre beim Teufel. Wo wir uns doch alle im schnöden Alltag nach Überraschungsmomenten sehnen, denen der angenehmen Sorte. Und dann tat ich etwas, das gemeinhin der Unfreiwilligkeit untersteht. Ich vergaß ihn einfach, den Traum. Hello life, I’m back in for a surprise!

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