Heute wird ein guter Tag, denn heute war das Mischungsverhältnis meines Tees genau richtig. Das ist nicht immer so, denn ich trinke meinen Earl Grey mit Zitrone und etwas Zucker angereichert. Da das Wasser heiß sein sollte, so aber nicht sofort konsumierbar ist, schenke ich die neue Zubereitung auf abgestandenen Tee. Die Spezialistinnen werden an dieser Stelle eine Augenbraue heben, doch finde ich dieses Vorgehen sehr zweckmäßig. Man möchte ja nicht erst eine Viertelstunde vor dem Trinken auf Abkühlung warten, schon gar nicht bei der Temperaturlage. Immerhin wird die Tasse bei über 30° nicht mehr so schnell kalt.
Mit dem Stichwort Tee fällt mir eine kleine Anekdote ein, als ich mit der Schwester in einer der hippen Münchner Getränkeinstitutionen saß und Schwarztee bestellte. Was haben Sie denn so im Sortiment? Naja, halt Schwarztee. Ach so, da gibt es noch so einen early Grey. Ja, die studentische Aushilfskraft war keine Teekennerin aber gutes Personal ist heutzutage auch schwer zu kriegen. Normalerweise trinke ich morgens zusätzlich Kaffee. Und das wiederum ist eine koordinatorische Herausforderung. Nicht nur einmal verwechselte ich die entsprechenden Tassen und ergänzte meinen Tee mit Milch oder den Kaffee mit zitronigem Tee. Gedankliche Präsenz, so wichtig.
Gestern erwarb ich eine gebrauchte Klavierbank, damit ich in den hohen und tiefen Randgebieten der Klaviatur nicht mehr vom Hocker kippe. Sie passt optisch ganz wunderbar zu meinem Klavier. Da ich kein Auto besitze, das Teil für den Transport im öffentlichen Nahverkehr aber zu schwer ist, bot mir die Verkäuferin eine Rückfahrt mit ihrem Mann an. Was zunächst ein Glücksfall schien, stellte sich als Kaffeefahrt mit gleichzeitiger Verkaufsveranstaltung heraus. Der gute Mann war nämlich einer der von der Pleite des letzten großen Münchner Musikhauses Betroffenen. Vom Silentsystem über eine neue Stimmung bis hin zu digitalen Noten wurde mir innerhalb von zehn Minuten Autofahrt alles zum Sonderpreis angeboten. Eine kleine Unannehmlichkeit im Vergleich zur Anstrengung, die Bank tragend transportieren zu müssen. Was ich allerdings als unangenehm empfand, war die Belehrung seiner Frau, wie man korrekt auf einem Klavierstuhl zu sitzen habe. Das wiederum weiß ich seit ungefähr 45 Jahren.
Dass mein Klavier eines der guten Sorte sei, war wiederum eine erfreuliche Information. Denn dieses Monstrum hat sich bei vergangenen Umzügen als ungewöhnlich schwer herausgestellt. Die Saiten sind über einem massiven Stahlrahmen aufgezogen, der allerdings, so der Experte, den Klang erheblich verbessert. Bei den letzten Renovierungsarbeiten ließ ich es einfach an Ort und Stelle und strich drumherum, weshalb es nicht mehr verrückt werden kann. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie ich bei Rettungsaktionen von dahintergefallenen Noten, Batterien und anderem Zeug feststellen musste. Auf der Rückseite des Klaviers befindet sich nun ein Ersatzteillager ganz eigener Art. Manchmal höre ich beim Spielen ein mitschwingendes Etwas und rate, welches Ding das sein könnte. So wird mir beim Üben nie langweilig. Zudem überlegte ich jahrelang, das Klavier zu veräussern, denn die Anschlagsdynamik ist eher suboptimal, behielt es dann aber aus sentimentalen Gründen. Inzwischen ist klar, dass ich es weder ersetzen noch verkaufen werde, es sei denn, ich finde einen guten Flügel mit ausreichend Raum drumherum eingeschlossen. Träumen, auch wichtig.
Abgesehen von Tee und Klavier gibt es gerade so viele Themen, die unter gegebenen Umständen nicht blogbar sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Gesamtsituation wieder bessern wird und überspiele alles mit Tonleiterübungen in Buchstabenform.