Fly Me To The Moon

(Frank Sinatra)

Der heutige Songtitel passt ganz hervorragend zur Rückkehr der Artemis II aber überhaupt nicht zum Inhalt meines Beitrages. Heutiges Thema lautet Fitness-Studio. Zunächst suchte ich erfolglos eine Liedzeile mit Muskeln oder Rücken. Am ehesten hätte noch I’ve Got You Under My Skin gepasst. Das war als Titel schon vergeben.Wenn man sich anstrengt, passt aber auch der Mond, denn da war ich noch nie. Genau wie mich das Studio seit Monaten nicht gesehen hat. Man kennt die Zahlenden, die das Angebot nicht nutzen aber auch nicht kündigen, man erinnere sich an Chandler in The One with the Ballroom Dancing. Bei mir verhielt es sich bis vor ein, zwei Jahren aber noch völlig anders.

Wegen früherer Erfahrungen, da schien mir das Studioangebot schlicht zu langweilig, wollte ich keine unbegrenzte Mitgliedschaft abschließen. Nach der vermurksten Hüftoperation – der Operateur baute einfach die nächstgrößere Pfanne ein, weil die kleinste nicht vorrätig war, weshalb die Iliopsoassehne seitdem chronisch und schmerzhaft entzündet ist, die gängige Reparatur mittels Durchtrennen aber für mich keine Alternative darstellt – begann ich mir ein spezifisches Kräftigungsprogramm zusammenzustellen, das mit Hilfe diverser Gerätschaften meine Schmerzen minimierte. Das Unterfangen fiel in die Coronazeit. Irgendwann erspähte ich Dreimonatsgutscheine, die von durchgehend Beitragszahlenden über Kleinanzeigen verkauft wurden. Einen solchen erwarb ich und ging fortan nicht nur jeden Tag testen, sondern auch trainieren. Schnell stellte ich fest, dass mich das tägliche Training stärkte, vom Schmerz befreite und rundum erfreute. Also schloss ich nach Ablauf des Gutscheins einen Vertrag ab, den ich etwa zwei Jahre ausgiebig nutzte. Dann kam der Mann, der nicht nur weit draussen wohnte, sondern im Keller auch ein eigenes Studio eingerichtet hatte, dann die Trennung, eine Depression und eine Unterleibsoperation, dann wieder eine depressive Episode. Damals stand ich sowieso nur noch für die Arbeit auf. Und mein Vertrag, ein sehr günstiger mit unwiederbringlich guten Konditionen, war das einzige, was in meinem Leben fröhlich weiterlief.

Im letzten Jahr gab es durchaus Bemühungen, wenn nicht eine tägliche, so doch wenigstens eine wöchentliche Routine zu reinstallieren. Im Januar gab ich auch diesen Versuch bis auf Weiteres auf. Es soll Leute geben, die ihre täglichen Kräftigungsübungen daheim absolvieren. Das kann ich nicht. Im Plank fange ich an, Fusseln vom Teppich zu picken, bei Situps fällt mir was Wichtiges ein, das ich notieren muss und Liegestützen, ach Gottchen, mehr als fünf sind sowieso nur mit Zuschauererwartungsdruck machbar. Mal ganz abgesehen von Klimmzügen, denn wer hat schon eine Klimmzugstange daheim. Im Januar in der Klinik, da stand ich früh auf und absolvierte eine halbe Stunde auf der kaltmamsell’schen Yogamatte, was abgesehen von Benutzung der Treppen in’s dritte Stockwerk meist die einzige körperliche Betätigung war. Die sporttherapeutischen Angebote in der Klapse verdienen ihren Namen nicht.

Seit ungefähr drei Wochen spüre ich nun in der Lendengegend ein Ziehen im Rücken, dem ich durch ausgiebiges Strecken und Biegen ausweichen möchte. Sollte ich jetzt echte Rückenschmerzen kriegen, so ist das bestimmt den fehlenden Bauchmuskeln zuzuschreiben. Ich weiß das, denn ich hatte immer gut trainierte Bauchmuskeln, sogar kurzzeitig ein Sixpack, und nie Rückenschmerzen. Nunzio, mein Tanzlehrer, schwört übrigens auf Bauchmuskeltraining bei Rückenschmerzen. Hier kommt die Sache mit der Korrelation und der Kausalität in’s Spiel, denn wenn eins immer Bauchmuskeln und nie Rückenschmerzen hatte, kann so eine Evidenz nicht unabhängig kausal hergeleitet sein. Occam’s Theorie bevorzugt zwar die einfachste Herleitung, die muss aber deswegen noch lange nicht stimmen. Meine Stichprobe an Menschen mit untrainierten Bauchmuskeln und schmerzfreiem Rücken geht gegen Null. Die andere, viel Rückenschmerzen bei viel Bauchmuskeln aber auch. Ja und jetzt? Man könnte, sollte, müsste einfach wieder beginnen. Aber man könnte sich auch mit dem Hammer auf den Daumen hauen, das lenkt zumindest ab. Auch mentales Training hab‘ ich schon probiert. Dabei stellt man sich vor, der Schmerz löse sich auf oder assoziiert ihn mit einem angenehmen Gefühl, etwa einer sich ausbreitenden Wärme. Funktioniert so mittelschlecht, obwohl ich auf diesem Gebiet einst den schwarzen Gürtel trug. Mein Bootcamp Zahnarztbesuche, und wer braucht schon Peitschenhiebe, wenn er auch eine Wurzelbehandlung haben kann.

Lösungen kann ich keine anbieten aber vielleicht ein paar nützliche Hinweise. Wer ein gutes Körpergefühl besitzt, merkt selbst schnell, was ihm oder ihr guttun würde. Das gilt sowohl in Bezug auf Bewegung als auch Wärme- oder Kälteeinwirkung an betroffenen Stellen. Massagen unterstützen die Linderung von Rückenschmerzen genau wie Dehnungen. Der anderen Fraktion empfehle ich, Signale nicht zu ignorieren, denn der Körper ist, ganz unesoterisch intendiert, mit unserer ganzen Existenz verbunden, mit Intellekt, Gewohnheiten, Vergangenheit und noch so paar Teilbereiche, die zusammen eine Person ergeben. Vielleicht zwingt der Zustand zu dringend benötigter Ruhe. Stoppschilder haben einen guten Grund. Man kann sie überfahren, riskiert dabei aber einen Totalschaden. Am Ende macht alles irgendwie Sinn, meist halt erst nachträglich. Und vielleicht war das schon die Quintessenz, denn wer beim Griff nach dem Mond fällt, landet unter Sternen, im besten Fall nicht unter Schmerzsternchen.

1 Kommentar zu „Fly Me To The Moon“

  1. > (…) der Operateur baute einfach die nächstgrößere Pfanne ein, weil die kleinste nicht vorrätig war (…)

    Wtf! – Habe im Bekanntenkreis auch schon gehört, dass bei einer Augen-OP nicht die passende Linse da war und man dann halt einfach eine andere (Farbe?) genommen hat.

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