It’s a Miracle

(Roger Waters)

Nach geschätzten neun Stunden Schlaf und viel Herumliegen in den letzten Tagen, geht es mir heute schon viel besser. Noch huste ich gottserbärmlich und die Schleimproduktion der Nase ist am Maximum angelangt. Dafür kann ich mich wieder ohne Schwanken auf den Beinen halten und der Körper stört nicht mit Schmerzmeldungen über Kopf und Haut. Es scheint eine Spontanerholung eingetreten zu sein, quasi eine Wunderheilung. Was mich an eine alte Geschichte erinnert, die sich auf einem Flug nach Toulouse zugetragen hat.

Die Stadt liegt unweit vom katholischen Pilgerort Lourdes, an dem einem Suchenden die Gottesmutter erschienen sein soll. Seither wurde von vielen Spontanheilungen berichtet. Immer wieder reisen Kranke und Alte an diesen Ort und erhoffen sich, das Wunder am eigenen Leib zu erleben. Auf dem Flug nach Toulouse befanden sich geschätzt 30 Rollstuhlangewiesene an Bord mitsamt ihrer Begleitpersonen, hauptsächlich Nonnen der verschiedensten Orden. Wir bekommen die Meldung über Rollstuhlfahrende vorab, die unterschiedlich kategorisiert werden. Die wenigsten sind andauernd auf das Hilfsmittel angewiesen. Meist handelt es sich um Menschen, die keine langen Wegstrecken zurücklegen können oder keine Treppen steigen. Diese Personen werden durch Betreuungspersonal zum Flugzeug gebracht und am Zielort wieder von Angestellten des Flughafens in Empfang genommen. Während nun in München geschätzt 30 Menschen umständlich das Flugzeug betraten, sich mit Krücken und Festhalten an ihren Platz hievten, waren es in Toulouse beim Aussteigen nur noch etwa drei, die den Rollstuhlservice in Anspruch nahmen. Wenn das kein Wunder war, dann weiß ich auch nicht.

Andererseits wundern wir uns als Crew über nichts mehr, zu gut kennen wir unsere Pappenheimer. Jedenfalls spaazierte ich heute Morgen in ganz wundervollem Wetter über das Kunstareal. Am Lenbachhaus verpasste ich nicht, in den Bücherschrank zu schauen. Meine Hoffnung auf ein brauchbares Kunstbuch war nur sehr klein, da die Vitrine sicher über den Tag geräubert wurde. Zusätzlich fand gestern Abend das Kino im Freien mit viel Publikum am benachbarten Königsplatz statt. Vielleicht waren die Bildbände über die Werke Paul Klees und der dicke Wälzer über den Briefwechsel Klees mit Kandinsky den Passierenden auch zu schwer. Jedenfalls kehrte ich mit gefühlten fünf Kilo Buch wieder heim. Natürlich mit dem inneren Versprechen, beim nächsten Mal dort auch etwas zu hinterlassen. Ein Bildband über die Entwicklung Münchens von 1800 bis nach dem zweiten Weltkrieg wird wohl dort landen. Den finde ich nämlich nicht nur enttäuschend, sondern vor allem deprimierend. Gute Gründe, dass er weiterziehen darf.

Der Sonntag, den ich weiterhin liegend verbringen werde, ist also gerettet. Danke an die gestern Kommentierenden und die guten Wünsche. Wenn das mit dem Wunder so weitergeht, bin ich spätestens übermorgen wieder fit.

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