Like burned out light bulbs on a Ferris Wheel

(Tom Waits)

Mögen Sie Riesenräder? Als Kind fand ich die ziemlich lahm. Es musste sich schnell drehen, viel Fliehkraft entwickeln und möglichst so erratisch in diverse Richtungen bewegen, dass man während der Fahrt nicht wusste, wohin der Kopf stand. Schlecht wurde immer nur den Anderen. Ich bedauerte, dass auf den Volksfesten nie jemand mit mir in solche wilden Fahrgeschäfte einsteigen wollte. Irgendwann im Erwachsenenalter probierte ich auf der Wiesn die Vehikel älteren Datums aus: Kettenkarusell, Krinoline, wilde Maus und mit Oma das Riesenrad. Ich muss zugeben, es hat einen ganz eigenen Charme, das bunte Treiben langsam von oben an sich vorbeiziehen zu lassen.

Im Werksviertel am Ostbahnhof München steht ein sehr großes Riesenrad, das Umadum. Kudos an die Person, die für die Benennung verantwortlich war, denn das Wort bezeichnet im Bayrischen treffenderweise ein um etwas herum Bewegtes. Mit 80 Meter Höhe ist das Riesenrad angeblich das größte Deutschlands. Die Gondeln sind für 16 Leute konzipiert, können aber für spezielle Gelegenheiten auch nur für acht Personen bewirtet gebucht werden. Wenn ich schon neben Fremden sitzen muss, dann nur wenn sie kreischen. Denn für dummes Gelaber habe ich während eines sogenannten Genussmoments keine Kapazität. Andererseits dauert eine einfache Fahrt nur 30 Minuten. So lange hält auch der Akku meines geräuschunterdrückenden Kopfhörers.

Gestern wollte ich es testen. Eine Fahrt mit der Bekannten, möglichst während des Sonnenuntergangs. Das Fahrgeschäft schließt jedoch schon um 20 Uhr, also viel zu früh für Dämmerung und Lichtermeer. Ich war entsprechend konsterniert. Dann halt nicht. Und ganz vielleicht war das Zeichen des Schicksals, sich nicht mit Kreislauf und unspezifischem Unwohlsein in eine für 30 Minuten geschlossene Kabine zu setzen. Beim Asiaten war der Magen schon so beleidigt, dass er auch kein Tom Kha Gai ohne Rebellion mehr tolerierte.

Übrigens finde ich dieses Werksviertel, das ich noch als Kunstpark Ost kenne, ganz gelungen. Was früher Europas größte Partymeile war, ist heute eine geschrumpfte Ansammlung aus Bars, Imbissen und Clubs, das Publikum altersbezogen wesentlich durchmischter als früher und somit eine echte Sommeralternative zur Innenstadt. Gestern wurde auf dem Hauptplatz das Männerfußballspiel übertragen, so richtig interessiert hat’s aber niemand. Als die Engländer Fahrt aufnahmen, nahm ich bereits die Fahrt nachhause auf. Der Magen, der Kreislauf, das Alter, Sie wissen schon. Die Fahrt im Riesenrad wird ein andermal nachgeholt. Im Werksviertel muss ich dafür, im Gegensatz zur Wiesn, nicht durch Menschenmassen und Bierleichen pflügen. Und das ist ein gravierender Vorteil.

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