Wussten Sie, dass Reisen anstrengend ist? Ich auch nicht. Während man sitzend von einem Ort zum anderen gelangt, kann man lesen, schreiben oder aus dem Fenster schauen. Insgesamt klingt das erholsam. Normalerweise arbeite ich, während andere reisen, und danach fühle ich mich platt, raffe mich aber oft noch zu einem Spaziergang am Zielort auf, manchmal nur zum nächsten Supermarkt, ein andermal zu einem nahegelegenen Restaurant. Nach der Flucht aus dem vollen Regionalzug in Rostock bin ich so erledigt, dass ich mich im Zimmer erst einmal auf’s Bett setze. Das Bett stellt eine Versuchung dar, der schwer zu entkommen ist. Einmal auf die Matratze gesetzt, ist der Weg in die Horizontale nicht weit. Und so versinke ich gut klimatisiert zwischen den Federn. Noch kämpfe ich wegen schlechten Gewissens gegen den Schlaf an, denn ich bin nur eine Nacht in Rostock. Irgendwann gebe ich auf. Schließlich bin ich erwachsen und kann selbst bestimmen, wie ich meinen Urlaub verbringe. Ich bin zum Spaß hier und wenn ich müde bin, habe ich keinen Spaß an einer Entdeckungstour.
Dafür wache ich sehr früh auf und hole den Spaziergang durch die Altstadt am nächsten Morgen nach. Auffallend viele Radfahrende benutzen den Fußgängerweg. Zu früher Stunde sind kaum Touristierende unterwegs, zudem fährt es sich schlecht auf Kopfsteinpflaster. Weiche ich eben aus, nicht jedoch ohne ein bisschen mit dem inneren Krückstock zu fuchteln. Soweit ist es also mit mir gekommen. Kaum habe ich die Hipsterhauptstadt hinter mir gelassen, schon solidarisiere ich mich mit den Berenteten. Gleich bringt mich der nächste, hoffentlich weniger volle, Zug nach Stralsund. Dann schauen wir mal, wieviel Jahre ich dort im Schnelldurchlauf innerlich vorspule. Gelegentlich ist man halt doch so alt, wie man sich fühlt.
