Bagonalistik, lese ich an der Hauswand. Ein Wort, das in meinem Kopf nicht existiert und somit keinen Sinn ergibt. Daheim recherchiere ich, was es auf sich hat mit dieser Bagonalistik und komme nicht so recht weiter. Wohl weil dieses Wort, wie auch die ganze imaginäre Bewegung, ein Kunstprodukt ist. Die Lesenden suchen am besten selbst danach im Netz, denn ein einziger Link kann das nicht abbilden. Prof. Nicolai Sarafov, selbsternannter Gründer seines Instituts, äussert sich selbst darüber in einem Artikel der Süddeutschen während der Coronazeit folgendermaßen:
„Die Menschheit wird von destruktiven Konfusionen heimgesucht […] Im Würgegriff der Konfusion wird die Würde grob befingert und die Eintracht schmerzhaft gestört. Allerorten kommt es zu Ausschreitungen und Tumulten – die seelenlose Konfusion triumphiert über die Gemüter. Paradox genug, dem zu verfallen, was man sich selber eingebrockt hat. Denn an der Konfusion haben nicht Parasiten, Asteroiden, Zauberer oder sonstige Mächte Schuld, sondern das menschliche Getue an sich.„
Es geht also um eine allgemeine Konfusion. Auch über Corona hinaus kann ich mir darunter zumindest etwas vorstellen. Denn Konfusion ist ein mir vertrauter Zustand. Menschliches Verhalten verwirrt mich des Öfteren. Rückschließen kann ich so Manches erst aus Hintergrundinformationen, aus Erklärungen und wohlwollender Haltung nachvollziehen, selbst wenn es sich zu meiner eigenen Denkweise antagonistisch verhält. In einer perfekten Welt könnte ich die Konfusion durch Nachfragen ausräumen. Nun verstehen aber Menschen oft selbst nicht, wieso sie dies oder jenes tun oder das eine dem anderen vorziehen. Mangelnde Selbstreflexion bei gleichzeitiger Verweigerung, fremnde Erwägungen in Betracht zu ziehen. Dann muss ich tief in meinem Wissen nach möglichen Ursprüngen für Verhalten graben, um auf eine halbwegs vernünftige Ableitung zu gelangen. Während ich damit nicht nur in meinem Arbeitsalltag sehr viel Kraft verbrauche, fand ich in jüngst erwähntem Buch eine treffende Passage über Empathie:

Das, was hier als emotionale Empathie beschrieben steht, erinnert mich an die Schauspielmethodik von Lee Strasberg, dem method acting. Vor vielen Jahren verfolgte ich gebannt ein paar aufgezeichnete Schauspielklassen, in denen Stella Adler ihren Studierenden Rüstzeug an die Hand gibt. Im Publikum saßen namhafte Schauspieler wie Anthony Hopkins, die alle irgendwann bei ihr gelernt hatten. Diese Aufzeichnungen existieren nicht mehr, es finden sich aber Mitschnitte aus dem von Strasberg gegründeten Actors Studio auf bekannten Portalen. Ein Schatz für Jene, die sich für Schauspielkunst interessieren. Wäre mein Hirn nicht so grottenschlecht im Memorieren von Texten, ich wüsste schon ein neues Tätigkeitsfeld, das mir läge. Meine wenigen Versuche in dieser Richtung scheiterten eher unrühmlich.
An meiner Schule gab es eine English Theatre Group, für die ich aus oben genanntem Grund die Aufnahmeprüfung nicht schaffte. Später belegte ich einen Workshop bei Kirk Baltz, den man aus dem Tarantinofilm Reservoir Dogs kennt. Das abgeschnittene Ohr war natürlich nur Finte, davon konnte ich mich persönlich überzeugen. In einer Einzelstunde spielte ich mit ihm eine Szene aus dem Film The Savages. An den Film erinnerte ich mich nicht, fand die ausgewählte Szene aber so urkomisch, dass ich beim Ablesen des Skriptes mehrmals zu kichern und einmal zu lachen begann. Das ist, nebenbei bemerkt, der Stoff, aus dem Blooper Reels gemacht werden. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass corpsing für die Mitspielenden nicht besonders angenehm ist. Man versetzt sich in die Rolle, baut die nötige Energie auf und wird instantan vom lachenden Gegenüber herausgerissen. Ich hatte jedoch keine Lust, mich dafür anschreien zu lassen, weshalb ich es bei einem Versuch beließ.
Natürlich kenne ich einige Schauspielende persönlich. Es ist ein hartes Brot, wie alle darstellenden Künste. Daran hat sich nichts geändert. Was sich aber geändert hat, ist die Bereitschaft, von Rollenklischees abzuweichen. Ich kann mich täuschen aber die allgemeine Akzeptanz für vielfältiges Aussehen, Herkunft und Alter hat sich zumindest in unseren Breitengraden gelockert. Muss ich also nur noch einen Weg finden, mein Hirn auf Auswendiglernen von Texten zu drillen. Gibt’s da eigentlich auch was von Ratiopharm?