She gets too hungry for dinner at eight

(Mel Tormé)

Wie datet man eine Frau? Der Kenner würde meinen, das wisse ich, bin ich doch selber eine. Weit gefehlt. Da ich in dieser Hinsicht keine falschen Erwartungen wecken möchte, gleich zu Beginn: das wird kein launiger Ratgeber, und auch versteckte Tipps für die männliche Leserschaft werden sich zwischen den Zeilen keine finden. Dafür gibt’s im Internet eine weite Expertisenlandschaft in Form von Illustriertentexten, Webartikeln und Taschenbüchern von selbsternannten und am Sujet gescheiterten Beziehungscoaches. Ich will mich da nicht einreihen. Hier soll’s um die Annäherung zwischen weiblichen Wesen gehen.

Bereits in der Vergangenheit stellte ich nämlich fest, dass es im erotischen Kontext einen Unterschied macht, ob ich männliche Aspiranten oder weibliche für mich gewinnen möchte. Meine Expertise beschränkte sich viele Jahre auf den männlichen Sektor. Dementsprechend niedrig war meine Erfolgsrate auf weiblichem Terrain. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass die Lesbenszene vor Jahrzehnten noch sehr kategorisch alle ablehnte, die im entferntesten mit Männern in Berührung gekommen waren. Mir ist bis heute nicht klar, was mich verriet. Womöglich riechen sie’s, wie Oktopusse, die durch ihre Saugnäpfe relevante Informationen erschmecken. Später traf ich öfter auf Tages- oder besser Nachtausflüglerinnen, also solche, die sich nur ein wenig ausprobieren wollten, es aber nie ernst meinten. Wegen solcher Erfahrungen sank mein Interesse an allem, was über platonische Begegnungen hinausging.

Derzeit kursiert ein launiger Spruch im Internet: Wenn Sexualität frei wählbar wäre, wie erklärt man dann, dass Frauen immer noch Männer mögen? Vielleicht geht es aber überhaupt nicht immer um Männer oder Frauen und alles, was sich im Spektrum dazwischen befindet. Mir jedenfalls geht es, neben ein paar anderen Eigenschaften wie emotionaler Disponibilität und Verlässlichkeit, um Intellekt. Es herrschen harte Zeiten für Menschen, die sich von Intelligenz angezogen fühlen. Weshalb ich mich auf emotionale Intelligenz fokussiere. Die soll angeblich im Weiblichen verortet sein.

Wie aber daten Frauen Geschlechtsgenossinnen? Von theoretischer Recherche verspreche ich mir nicht viel. Denn während sich Männer auf Sichtbares konzentrieren, achten Frauen mehr auf’s Gefühl. Auf der weiblichen Seite verhält es sich ähnlich wie bei Speisen: schön Angerichtetes steigert den Appetit, wenn die Mahlzeit aber nicht mindestens gut riecht, schmeckt, im Mund zergeht und anspricht, ordern wir keinen Nachschlag. Dann lassen wir auch das schönste Essen zurückgehen. Okay, manchmal lassen wir uns die Reste einpacken, spätestens am nächsten Tag landen die aber in der Tonne.

Was genau da aber im Gefühl stimmen muss, ist schwer zu benennen. Bauch, Kopf und Herz senden bestenfalls kongruente Signale. Störfaktoren beim Bauchgefühl rühren vom weiblichem Instinkt, von Hormonen oder Nahrungsmittelunverträglichkeit ,und manchmal ist es ein kneifender Hosenbund. So genau weiß man das nie. Das Herz ist der kleine Hund der Seele, der schwanzwedelnd jedem geworfenen Ball hinterherrennt. Und die Schaltzentrale muss dann wieder Überstunden zum Sortieren von Datenschnipseln machen. Es ist kompliziert und anstrengend. Morgen, so hoffe ich, weiß ich mehr darüber.

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