Sittin‘ in the morning sun

Als ich Herrn Rau einst fragte, was er für sein Sabbatical plane, antwortete dieser mit dem bekannten Loriotzitat „einfach nur sitzen“. In Anlehnung daran kaufte ich mir gestern einen Sessel. Da ich merklich mehr Zeit in meiner Wohnung verbringe, möchte ich es da schön haben. Noch zu Beginn des Winters verbrachte ich viel Zeit im Bett, wohl nicht nur, weil es da warm ist, sondern vor allem, weil ich mich zu nichts anderem aufraffen konnte. Diese Gewohnheit tat mir überhaupt nicht gut, also begann ich nach dem Klinikaufenthalt neue Gewohnheiten zu üben. Das Bett morgens machen, die Wohnung putzen, aufräumen, halt alles, was so ein normaler Mensch täglich absolviert. Jetzt bin wohl auch da angekommen, wo ich einfach nur sitzen möchte, bequem, gut beleuchtet, lesend, schreibend oder einfach nur nachdenkend. Zu diesem Zweck brauchte ich eine Sitzgelegenheit, die nicht allzu viel Raum einnimmt und die vor allem schön aussieht.

Sie sehen unten meinen neuen Platz, den ich gestern gebührend lange besessen habe. Er ist flauschig, wird es hoffentlich auch noch lange bleiben, hat genügend Tiefe sowie Breite, um meine geschneiderten Beine aufzunehmen und braucht nicht mal das Kissen im Rücken, um mir ausreichend Stütze zu sein. Kurzum, dieser neue Sessel ist ein Traum. Dann kaufte ich mir ein neues Buch, um darin zu lesen. Zum Lesen kam ich aber nicht, denn dafür benötige ich eine Brille sowie eine helle Beleuchtung. Die Lampe dahinter kann sehr hell sein, ist aber eigentlich für atmosphärisches Licht gedacht. Helles Licht widerspricht meinem derzeitigen Bedürfnis nach Reizarmut. Zudem stellte ich fest, dass so ein Sessel nicht für sich alleine existieren kann, denn um lange darin zu sitzen, brauche ich Utensilien und die wollen in greifbarer Nähe abgelegt werden. Beistelltischchen mag ich nicht, die sehen alle so verzweckt aus. Also legte ich das Handy auf die Bücher im Regal. Und zum ersten Mal bemerkte ich, dass meine seltsame Angewohnheit, Bücher nach Größe zu sortieren einen Zweck erfüllt. Eine Reihe Bücher so zu entweihen, hätte ich mir früher niemals vorstellen können. Einfach zu sitzen aber auch nicht. Das muss dieses Älterwerden sein, das mit Egalität und Rigidität einhergeht. Ich werde das weiter beobachten. Von meinem Sessel aus.

1 Gedanke zu „Sittin‘ in the morning sun“

  1. Ihr Sessel sieht urstgemütlich aus. Kann ich mir gut vorstellen, das einfach nur Sitzen, bei Bedarf zum Buch greifen, aus dem Fenster schauen. Liebe Grüße

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