Manche Menschen haben Angst vor dem Zahnarzt. Zu dieser Gruppe gehöre ich nicht, denn ich habe vor 20 Jahren einen gefunden, der die menschliche Seite seines Berufes verstanden hat. Dennoch finde ich es herausfordernd, to say the least, wenn mir fremde Menschen ihre Finger in den Mund stecken. Ich glaube, es hat mit dem Verlust von Selbstbestimmung zu tun. Bei guter Betäubung tut zwar nichts weh aber die Geräusche sind unangenehm und die Vorstellung, der Bohrer könnte abrutschen oder die Zunge aus Versehen dazwischen geraten. Worst case szenarien, die ich so nie erlebte, die aber in meinem Kopf mietfrei wohnen. Ich weiß, kein angenehmes Thema aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Auch im Folgenden.
On a totally different note: Sommergrippe, auch so eine Sache, die niemand braucht. Vor zwei Tagen spürte ich es im Hals. Schluckbeschwerden der Sorte, die den Genuss von Speisen reduziert. Man glaubt, nichts essen zu wollen bei gleichzeitigem Bedürfnis, das Kratzen mit Flüssigem wegzuschlucken. Am nächsten Tag bestätigt eine belegte Nase den Zustand, von dem man meint, das sei bestimmt nur ein punktuelles Phänomen. Denn wer erkrankt im Sommer schon an einer Erkältung. Aber der Kopf spricht eine andere Sprache, produziert Nebel und verstopft mit Gedankenschleim die Hirnwindungen. Als wäre die Rezeptivität jetzt ebenfalls viskoser, bleiben Impulse einfach an der Quelle stecken. Bewegungen verzögernd, Denken schwierig, das Gehirn ein einziger, dumpf schmerzender Klumpen, erschüttert von beherzten Hustenanfällen. Einen Tag später läuft dann die Nase. Der Schleim sucht sich seinen Weg in’s Freie und muss bei jeder Gelegenheit am Ausgang abgefangen werden. In jeder Tasche sammeln sich zerknüllte Papiertücher.
Im nach hinten gekippten Zahnarztstuhl kann wenigstens nichts aus der Nase tropfen, doch gleichzeitig ist Mundatmung nicht möglich. Eine denkbar ungünstige Kombination. Erst bei der Anweisung zum Spülen ist alles überstanden. Ein letztes Ausspucken von Geschmacks- und Angstresten. Die Grippe aber, die nimmt man brav wieder mit heim. Wünschen Sie mir Glück und eine beherzt absaugende Assistenz, damit ich dieses Erlebnis heute einigermaßen würdevoll überstehe.