Stars

(Nina Simone)

Die Astrologie liefert Erklärungen darüber, warum ich als Wassermann mit Aszendent Löwe gestraft bin. Revolution gegen die Weltordnung mit einem Touch Egozentrismus heißt Dauerclinch. Die Kombi ist in etwa so schlimm wie Skorpion mit Stier, schnell verletzt und auch noch nachtragend. Oder Jungfrau und Zwilling, die führen ihre zum inneren Frieden notwendige Ordnung mit selbstgemachtem Beziehungschaos ad absurdum. Ich halte ja von diesem Sternzeichenhoroskopzeug nicht viel. Was soll es schon aussagen, wenn jemand wie ich an einer Sternzeichendatumsgrenze geboren ist? Bin ich dann das Beste von zwei Sternzeichen oder das Schlechteste? Mir liegt eher die chinesische Aufteilung in Erd-, Wasser-, Feuer- und Luftzeichen. Wie Katzen, die sich, je nach Geburtsjahreszeit, unterschiedlich verhalten, finde ich Verschiedenartigkeit zwischen im Sommer oder im Winter, im Herbst oder Frühling Geborenen nachvollziehbarer.

Vor etwa 13 Jahren belegte ich mal einen einwöchigen Kurs zum Thema Sternzeichen und ihre Entwicklungsaufgaben. Die Teilnehmenden aus aller Herren Länder konnten sich mit der Kategorisierung allgemein gut identifizieren. Ich wiederum fand die Kategorien etwas zu eng gefasst. Typisch Wassermann, sagte man mir, worüber ich mich ärgerte. Auch das Ärgern typisch Wassermann, denn die opponieren gegen alles, was abgrenzt, einengt und sie in ihrer Freiheit beschneidet. Ich muss gestehen, da ist schon ein bisschen was dran. Denn während andere in Problemen denken, finde ich Lösungen. Wenn ich höre, etwas ginge nicht, wird in mir die Gegenwehr aktiviert. Meine Antwort ist meist die Frage: „Und wenn ich das so mache, ginge es dann?“ Am Ende sonne ich mich im Ergebnis. Typisch Löwe halt. Die Sternzeichen waren im Seminar nur Aufhänger für die Frage, wo wir alle hinsteuern. Ich erinnere mich an eine Graphik, in der sich alle in der Mitte trafen. Das fand ich plausibel. Jede und Jeder macht erst mal sein Ding, wie es ihm oder ihr liegt und am Ende führt das zu etwas Höherem aus dem Kreise existentieller Dilemmata. Denn große Menschheitsfragen gibt es nicht viele. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und was für ne Scheisse ist dazwischen. Das war’s dann grob.

Das Geburtszeichen ist die Ausgangslage, die Grundenergie, quasi unser Werkzeug, und der Aszendent die Aufgabe, die es für’s Erreichen der Mitte zu bewältigen gilt. Ich fand das PDF irgendwo zwischen alten Dateien und musste direkt nachschauen. In meinem Fall ist die Ausgangslage gemäß Seminarunterlagen ‚space, the way of freedom‚ und die Aufgabe ‚centricity, the way of self-expression‘. Damit bin ich in den Weiten des Internets mit meinem Blog wohl goldrichtig. Seitdem spüre ich den unwiderstehlichen Drang, auf Mastodon Freiwillige zu kategorisieren. Nur um diese Behauptungen zu widerlegen natürlich, um die Kategorisierung zu sprengen. Und um ein bisschen zu glänzen, ich geb’s zu, denn Bescheidenheit zählt nicht zu meinen Tugenden.

Und dann mache ich das Heft auch wieder zu, denn Antworten finden sich darin nicht. Nur weitere Fragen. Und die sind nix für den Kopf, die müssen gelebt werden, um sie zu begreifen.

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