Das Oktoberbesäufnis ist fast vorbei. Jetzt freuen wir uns alle auf das anstehende Großereignis in drei Wochen. Vermutlich haben Sie’s am Bild mit dem Boxring bereits erkannt. Falls nicht, dann lesen Sie bitte hier nach. Heute schildere ich, wie so eine Veranstaltungsidee vom Wunsch zur Wirklichkeit wird.
Im Juli war ich für einen Zwischenstopp in Berlin. Natürlich habe ich mir vorher überlegt, wen ich dort kenne und mal wieder sehen möchte. Als erste Person kam mir der Mek in den Sinn. Wir trafen uns an einem lauen Sommerabend in einer ehemaligen Schlachterei und brachten uns anschließend bei einem Kaltgetränk auf den neuesten Stand in unseren Leben. Ausserdem sprachen wir über gemeinsame Bekannte, deren Blogs wir lesen und sie irgendwann, meist auf Bloglesungen, auch persönlich kennenlernten. Diese Lesungen, die damals hauptsächlich in Berlin stattfanden, führten zu einer Art eingeschworenem Kreis. Andere Bloggende berichteten später, es sei sehr schwierig gewesen, dort online Fuß zu fassen. Das war einer der Gründe, weshalb ich 2006 drei Bloglesungen in München organisierte. Gedanklich bedauerten wir, dass sowas heute nicht mehr möglich sei, denn Kommunikation hat sich über die Jahrzehnte in’s Digitale verlagert. Immerhin haben wir damals noch telefoniert statt nur zu tippen. Weil aber mein Kopf Dinge nie als gegeben akzeptiert, sprach ich es aus. So ’ne Bloglesung, das wär’s!
Während derartige Veranstaltungen damals noch ohne viel Aufwand zu organisieren waren, gelten heute andere Bedingungen. Früher sammelte man ein paar Leute um sich, fragte in der Stammkneipe an, ob man an einem bestimmten Abend gegen Umsatz paar Leute versammeln und lesen dürfe und bloggte dann eine Ankündigung. Alles Weitere war ein Selbstläufer. In München war’s zwar ein bisschen komplizierter, lief aber ähnlich ab. Für die erste Bloglesung im März 2006 schrieb ich ein paar Bloggende an, fragte einen befreundeten Barinhaber nach einem freien Termin, einer der Lesenden bastelte einen Flyer und die Kaltmamsell, Lyssa sowie zwei weitere Blogger stellten den in ihr Blog ein. Ein paar Wochen später erschien unvermutet viel Publikum. So viele, dass die zweite Bloglesung bereits ein paar Monate später lief. Die sollte wegen des Datums – Walpurgisnacht – an einem besonderen Ort stattfinden. Dafür erwirkte ich eine Ausnahmegenehmigung bei der Friedhofsverwaltung, denn wir wollten Schauergeschichten zwischen den Gräbern des alten Nordfriedhofs zum Besten geben. Am Tag selbst war das Wetter so schlecht, dass wir in den Twisted Bavarian, ein nahes, nicht mehr existierendes Kellerrestaurant, ausweichen mussten. Ich weiß heute noch nicht, wie mir die offizielle Genehmigung zu erhalten gelungen ist, bin aber immer noch stolz drauf. Auch die dritte Lesung mit ausschließlich weiblichen Vortragenden war ein voller Erfolg, doch mein Interesse am Organisieren trat hinter anderen zurück.
Die Idee einer Wiederaufnahme der alten Tradition nahm ich von Berlin mit an die Ostsee. Sowas müsste doch auch zwanzig Jahre später noch machbar sein. Ich suchte nach Veranstaltungsräumen, schrieb Mails und wartete auf Antworten. Deren Inhalt desillusionierend, denn Räume in München sind teuer, zumal wir auch Technik benötigen und ich mir noch ein, zwei Besonderheiten einbildete. Je unwahrscheinlicher eine Idee umzusetzen ist, umso hartnäckiger halte ich daran fest. Fein, dann müsste ich halt kreativer denken, denn 5000 Euro Miete entsprach nicht meiner Vorstellung von Machbarkeit. Parallel dazu hatte ich die Zusage der Kaltmamsell bereits im Postfach. Ohne sie wäre das Vorhaben an dieser Stelle gestorben.
[Schweigeminute, Lob und Dank!]
Weiter ging die Reise mit Überzeugungsarbeit, schriftlich wie mündlich. Nach drei Absagen potentieller Mitwirkender, kamen zwei spontane Zusagen von Frau Novemberregen und Vanessa Giese, die beide weder Kosten noch Mühen scheuen, um den Abend zu ermöglichen. Und Mek war schon von Anfang an dabei.
[Schweigeminute, Lob und Dank!]
Parallel dazu fiel mir ein, dass mein Freund, der Jazzpianist Claus Raible, Anfang des Jahres in der Boxhalle ein Konzert spielte und mit dem Besitzer befreundet ist. Offiziell sei die Halle nicht mehr für Veranstaltungen buchbar, meinte Nick Trachte, doch nach einem persönlichen Austausch über Einstellung und Hintergrund, einigten wir uns auf erfüllbare Konditionen. Während andere große Geburtstagsfeste oder Hochzeiten ausrichten, habe ich halt aufwendige Hobbies und Ideen. Leider wird Claus an diesem Abend auf Tournee in Ulanbaatar sein und nicht spielen können. Andererseits verursacht Jazz bei Frau Novemberregen zuverlässig Migräne, weshalb nun eine Pianistin kurze klassische Stücke zwischen den Texten zum Besten geben wird.

Niemand von uns fühlte sich in der Lage, einen Flyer zu erstellen. Meine Idee, Text über meine Fotos zu legen, scheiterte zunächst auch an meiner Unfähigkeit. Die böse KI wurde mir empfohlen, denn die liefere, im Gegensatz zu einem Graphiker, schnelle und vor allem kostenlose Ergebnisse. Meks erster Versuch war ein Treffer, den ich mit dem Logo des Boxwerks vervollständigte. Wie ich vor zwei Wochen erfuhr, hat der Hausgraphiker aber auch auf das Logo ein gewisses Urheberrecht, weshalb Werbung vorsichtshalber nur ausserhalb der Boxwerkkreise erscheinen kann. Plakate in den umliegenden Läden auszuhängen, erwies sich ebenfalls als schwierig. Also Veranstaltungsportale anschreiben, um Nennung bitten, in Foren und sozialen Medien bekanntgeben. An dieser Stelle sind wir auf Mundpropaganda angewiesen, denn je mehr Interessierte weitersagen, umso eher füllt sich die Halle. Die Erhebung von Eintritt ist nicht umsetzbar, wohl aber hoffen wir auf Spenden von Anwesenden, um den finanziellen Aufwand wenigstens teilweise abzudecken. Weil in München auch am Samstag ab 22.00 Uhr die Gehwege aufgerollt und sich über Lärm auf der Straße beschwert wird, ziehen wir danach weiter in eine Nachbarschaftskneipe und freuen uns über Menschen, die sich anschließen. An einem Wochenende im Oktober für 22.00 Uhr eine Reservierung in München zu bekommen, ist übrigens auch so ein Ding der Unmöglichkeit.
Nach der Ankündigung in den entsprechenden Blogs wurde der Wunsch nach Streaming laut. Nein, es wird keine Aufzeichnung geben und auch keine privaten Mitschnitte im Netz. Das steht nämlich im Widerspruch zum ursprünglichen Gedanken der Veranstaltung (bitte einmal auf Anfang scrollen). Ich verstehe das Begehren derer, die aus unterschiedlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein können. Die Grundidee ist aber, unseren Zeiten von medialer Distanz eine Möglichkeit von unmittelbarem Erlebnis entgegenzusetzen. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Konzert oder hören es sich über ein Medium an. Atmosphäre, Miteinander und vieles mehr bleiben dabei auf der Strecke. Die Texte werden sicherlich im Nachhinein auf den entsprechenden Blogs zu lesen sein, wie auch letzte Konzerte von Michael Jackson oder den Rolling Stones auf DeinerTube ausschnittweise verfügbar sind. Das leichte Zittern in den Stimmen, die Anspannung in der Luft, Lachen oder leise Zwischentöne, all das geht online verloren. Vor allem die Begegnungen vorher, während der Pause und danach, sind ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Aspekt des Unternehmens.
Das wird ein fulminanter Abend mit vielen Überraschungen. Ich glaube, ich spreche im Namen aller Mitwirkenden, dass wir uns über jede Person freuen, die kommt, zuhört und uns anspricht. Vielleicht fragt sich jemand, weshalb ich nichts vorlese. So ein Event braucht Koordination und Moderation. Es können noch zig Kleinigkeiten dazwischen kommen, um die ich mich spontan kümmern muss, weshalb ich lieber allen anderen den Rücken freihalte. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Texte werden verfasst, Koffer bald gepackt und Stimmen geölt. Zum heutigen Zeitpunkt steht dem Event am 24.10. um 19.00 Uhr also nichts mehr im Weg. Naja, ausser vielleicht die Deutsche Bahn und hartnäckige Grippeviren, Hexenschüsse oder sonstige Unwägbarkeiten. Im Allgemeinen ist mein Karma aber gut und der Draht zum Schicksal direkt. In diesem Sinne, passen auch Sie gut auf sich auf, damit Sie dabei sein können, wenn es heißt: it ain’t over ‚til it’s over.

Soo schade, dass ich leider nicht nach München kommen kann zu diesem Zeitpunkt. Ich hätte mich gefreut, euch alle wieder einmal zu sehen und zu hören – so richtig analog und in echt. Ich wünsche eine gelungene Bloglesung und einen großartigen Abend!
Ja, das ist wirklich schade.
Hut ab! Ich finde es großartig, dass Sie das organisiert haben. Es wird bestimmt ein schöner Abend.
Leider kann ich nicht nach München kommen, meine Mutter ist seit gestern in der Klinik, wird übermorgen hoffentlich endlich operiert und wird dann noch in der Reha sein. Veganer*innen im Krankenhaus sind ein Thema für sich – das Essen schmeckt in den meisten Krankenhäusern eh schon nicht so toll …
Das ist großartig und ich komme mir das anhören. Plus Leute gucken, Leute wiedersehen, Leute sprechen und Gedanken denken.
So eine wunderbare Idee!
Ich werde kommen und freu mich schon sehr.
Ich freue mich total und komme, so der Bahngott es will, aus dem Schwarzwald nach München! Das wird richtig großartig, davon bin ich überzeugt.
LG und bis bald
Ich denke, dass ist ein großartiges Event und möchte gern aus Berlin kommen, habe nur Bedenken, dass es wegen Kapazitäten vielleicht Grenzen gibt. Versuche es trotzdem.