These Are The Moments

(Jay Putty)

Die gute Nachricht: ich bin wieder flugtauglich, was bedeutet, das unstete Leben beginnt bald. Die Regelmäßigkeit in Bezug auf klavierüben, schreiben und müßiggehen vermisse ich jetzt schon. Andererseits konnte ich in meiner Auszeit endlich mal alles erledigen, was ich wegen Terminfindungsschwierigkeiten immer auf die lange Bank geschoben habe. Bevor ich aber loslege, muss ich erst beweisen, dass ich es noch kann. Meine Lizenzen sind abgelaufen, das Wissen um Flugzeugmuster, Evakuierungsprozeduren, erste Hilfe und Crewmanagement werden in den kommenden Wochen abgefragt. Wenn ich dann durchgeschult bin, darf ich wieder auf Strecke. Ich bin aufgeregt. Hätte ich nach 27 Jahren Flugdienst so auch nicht erwartet.

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Gestern in einem siebenstündigen Webinar das schöne Wort Personenvereinzelungsanlage gelernt. Normalerweise sind solche Schulungen die Pest, weil sie sich für mich Schnellcheckerin nicht abkürzen lassen. Alles muss zu Ende geschaut und durchgeklickt werden, um das benötigte Zertifikat zu erhalten. Fast so schlimm, wie eine dreistündige Odyssee im Kino. Nur nicht so laut, dafür ähnlich vorhersehbar. Schlimm auch, dass die vortragende Person ki-generiert ist und weder Lippenbewegungen noch Gestik zum Gesprochenen passen. Irgendwann konnte ich nicht mehr hinsehen. Nach der Erwähnung des typisch amtsdeutschen Begriffs war ich wieder etwas aufmerksamer. Ausser ein paar Paragraphennennungen kam aber nichts Nennenswertes mehr. Jetzt weiß ich zumindest, unter welchen Umständen ich Menschen festhalten, fesseln und eine Identifikation verlangen darf. Eins über die Rübe ziehen darf ich ihnen leider nicht, denn bei Gefesselten liegt sowas ausserhalb der Verhältnismäßigkeit. Selbst wenn die mir zuvor die Nase gebrochen haben. Die Welt ist ungerecht.

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Die hohen Temperaturen fordern ihren Tribut. In meinem Klavier ist eine Saite gerissen. Normalerweise passiert das nur, wenn es viel und heftig gespielt wird, wenn man stundenlang Rachmaninoff oder Bártòk übt. Bei Bach besteht nur geringe Gefahr. Jedes Hämmerchen schlägt auf drei Saiten, weswegen der Ton auch noch mit weniger erklingt. Manchmal höre ich nachts das Holz knacken. In den letzten Wochen bin ich zweimal von einem ungewöhnlich lauten Knall aufgewacht. Seit ein paar Tagen wunderte ich mich über Scheppern beim Spielen der Töne zwischen c2 und c3. Gestern habe ich mal die Verkleidung entfernt und reingeguckt. Gefunden habe ich nix aber das Scheppern kann nicht von Gegenständen kommen, die sich innen, auf oder hinter dem Klavier befinden. Da ist nämlich nichts, was nicht hingehört. Lucky me, hat der Ende August bestellte Klavierstimmer von sich aus den Termin um zehn Tage vorverlegt. Das passt in meinen neuen Dienstplan. Läuft.

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Ix hat eine blockroll erstellt, in der er mich freundlich erwähnt. Das erste Mal trafen wir uns allerdings nicht auf der re:publica, sondern vor ziemlich genau 20 Jahren bei einer Lesung in der sogenannten Cola-WG. Ich hab‘ noch Bilder von damals im Kopf, die Gaga Nielsen geschossen hat. Klickt Euch mal durch’s Archiv. Gott, was waren wir jung! Sehr schade, dass er beim Revival in München nicht dabei sein kann.

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Bei der Gelegenheit habe ich mal nachgeschaut, was der meistgelesene Beitrag in meinem alten Blog war. Ich verlinke auf blogger.de, denn, wie ich feststellen musste, ist bei der Migration einiges verloren gegangen. So beginnt der Beitrag über meine erste Erfahrung mit einem Automatikauto hier nicht am Anfang, sondern erst im zweiten Absatz. Technik ist mir ein Graus, weil ich nix davon verstehe. Andererseits haben sowohl Christian als auch Mek selbst mit Fachwissen lange gebraucht, um grundlegende Probleme hier zu lösen. Ich wiederum bin dankbar, dass es solche Experten gibt, die sich festbeißen und nicht aufgeben, ehe eine Lösung in Sicht ist.

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Herr Buddenbohm hat mit gewohnt feinsinnigem Humor eine apokalyptische Vision beschrieben. Wenn das als Film rauskommt, schau‘ ich mir den an. Wie Roland Kaiser immer (noch) treffend singt: manchmal möchte ich schon mit Dir. Vorlesen! Noch ist es nicht zu spät, noch würde ich ihn gerne als Überraschungsgast bei unserer Lesung am 24.10. im Boxwerk ankündigen. Vermutlich ist er aber mit Preppen beschäftigt. Wasserkanister für die Apokalypse füllen und Dosenravioli in Bücherregale verräumen, sowas in der Art. Deswegen müssen die alten Bücher wohl raus.

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Man kommt einfach zu nix, wenn man Zeit hat. Nicht bloggen ist auch keine Lösung. Jedenfalls sichte ich gerade die Bilder meiner vergangenen Reise nach Berlin und an die Ostsee. Während die Mehrheit wegen der Klötzchen in den Hamburger Bahnhof Berlin strömt, wird dort noch bis 14.3.27 eine ganz wunderbare Ausstellung des Leipziger Künstlerinnenkollektivs mit dem Titel [materialistin] Matter of Care, Care of Matter gezeigt.

Besonders gefallen haben mir die Werke von Agnes Lammert und Enne Haehnle. Da hängt beispielsweise eine riesige Skulptur aus Kokosfasern, Stahl und Aluminium von der Decke, die mich an die Nester der Webervögel in Afrika erinnert. Murmuration heißt das fragile Kunstwerk von Agnes Lammert, in Anlehnung an die Starenschwärme. Ihre Abbildung Gorge von 2022 mag ich sogar noch mehr. Am Eingang platziert, könnte man fast daran vorbeigehen, denn das Werk ist nicht aufmerksamheischend wie andere Installationen. Nicht raumeinnehmend und bunt, sondern ruhig auf dem Boden liegend. Ein Blick ins Innere offenbart das Eigentliche, die Höhle. Ich saß eine Weile davor und genoss die davon ausgehende Geborgenheit und Ruhe. Assoziationen zu Handschmeichlern werden dem Kunstwerk nicht gerecht, hatte ich aber trotzdem. Die Verbindung zur Weiblichkeit liegt auf der Hand.

Auch Enne Haehnles Arbeiten beschäftigen mich noch eine Weile. Ihre dreidimensionalen Linien aus Stahldraht winden sich durch den Raum. Der Gedanke, die Konzeption, die Umsetzung, einfach alles daran ist toll. Erwähnen möchte ich vor allem das Werk OoO (out of office). Der Titel ist, wie mir scheint, eine Anspielung auf alltägliches Gedankenmäandern. Nicht alles in der Ausstellung Dargebotene entspricht meinem Geschmack. Manche Werke erreichten mich lediglich auf intellektueller Ebene. Nicht so die Werke von Enne Haehnle. Mit denen kann ich mich emotional identifizieren. Ich werde die Augen offenhalten, um weitere Arbeiten der Künstlerin anderswo zu entdecken.

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