Too Darn Hot

(Stacey Kent)

Aufgrund der hohen Temperaturen bin ich indigniert. Denn die Reise war auch ein wenig als Hitzeflucht geplant. An der Ostseeküste wird es nicht so heiß, versicherte man mir, und wenn, weht permanent ein angenehmes Lüftchen. In der Stralsunder Altstadt weht höchstens ein Bierschweißgemisch durch die engen Gassen, und wer den Blogbeitrag bei Mekquito gelesen hat, weiß, dass ich nur wenige Gerüche schlimmer finde als Biergeruch. Für einen nachvollziehbaren Vergleich rangiert Angel, das moschuslastige Muglerparfum, gleich hinter Bier, davor steht nur noch Erbrochenes. Alles Genannte löst bei mir Brechreiz aus. Achtung, das ist keine Übung. Ich scherze nicht, selbst wenn man eine Bieraversion bei einer Münchengeborenen für einen schlechten Scherz halten könnte.

Die vergangenen Tage sah es noch so aus, also ob ich der Hitze vorauseilte. Immer waren die Temperaturen am nächsten Tag höher an den Orten, die ich verließ, als an meinem Ziel. In Stralsund erwischen mich über 30°C wie Prügel. Zunächst flüchte ich in die Marienkirche, ein riesiger spätgotischer Bau. Auf dem Steinboden im Eingangsbereich sitzen erschöpfte Menschen. Man könnte meinen, selbst Kirchen seien dieser Tage Hitzeschutzräume. Nach einer Weile ist mir angenehm kühl, doch vor dem großen Eingangsportal wartet eine heiße Luftmasse, durch die ich mich den Rest des Nachmittags kämpfe. Selbst am Hafen weht kaum ein Lüftchen. Immerhin bietet das kleines Restaurant mit Liegestühlen am Wasser kalte Getränke und einen Blick auf die Rügenbrücke. Es ist alles sehr anstrengend.

Gegen Abend kommt mit dem Regen Abkühlung. Die warme Luft verfängt sich in den Räumen. Obwohl ich das Fenster die halbe Nacht geöffnet lasse, bleibt sie mir treu. Ich schlafe unruhig und erwarte ungeduldig den Morgen. Nett hier in Stralsund aber waren Sie schon mal im Ostseebad Dierhagen? Das Wetter verspricht angenehme Temperaturen und Wind. Wer braucht schon Sonne, wenn eins Wasser haben kann, von vorne und oben. Ich hingegen trotze jeglicher Witterung mit Goretex. Soll niemand sagen, ich sei nicht vorbereitet. Was mich allerdings überrascht, ist die Lage. Das Hotel liegt nicht gerade an einem Verkehrsknotenpunkt. Ruhig sollte es sein, fernab vom Trubel, wo sich die Menschen erholen. Derlei Orte sind ohne eigenes Auto etwas schwieriger erreichbar. Andererseits ist mein Gepäck übersichtlich und nicht allzu schwer. Damit lässt sich ein kurzer Fußmarsch bewerkstelligen. Für den Rückweg ziehe ich ein Taxi in Erwägung, um nicht die gewonnene Erholung sofort wieder zu verbrauchen. Denn eins habe ich gelernt: Reisen zu Lande ist maßgeblich anstrengender als zu Wasser oder in der Luft.

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